
Neue Daten belegen dringenden Handlungsbedarf im Gesundheitswesen
Zwei aktuelle Studien – eine Sonderauswertung des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes sowie eine Untersuchung des Robert Koch-Instituts (RKI) – liefern eine repräsentative Datengrundlage, die das Ausmaß und die gesundheitlichen Auswirkungen von Diskriminierung verdeutlicht.
Wie oft erleben Menschen in Deutschland Diskriminierung?
Die Zahlen beider Untersuchungen belegen eine hohe Verbreitung: Rund jede achte Person (13,1 %) gab in der SOEP-Befragung an, innerhalb der letzten zwölf Monate Diskriminierung erfahren zu haben. Das RKI ermittelte ebenfalls, dass 12,2 % der Erwachsenen „oft“ oder „sehr oft“ Alltagsdiskriminierung erleben; über zwei Drittel (69,2 %) berichten von seltenen oder gelegentlichen Erfahrungen.
Besonders häufig betroffen sind laut beiden Studien:
- Menschen mit Migrationsgeschichte und jene, die rassistisch markiert werden
- Frauen sowie trans- und genderdiverse Personen
- Menschen mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten
- Personen in sozioökonomisch benachteiligten Lagen
- Jüngere Menschen
Dabei tritt Diskriminierung oft mehrdimensional auf: Laut SOEP nennt fast die Hälfte der Betroffenen (50,3 %) zwei oder mehr Gründe für die erlebte Benachteiligung, wie etwa die Kombination aus Alter und Geschlecht oder Herkunft und sozioökonomischer Lage.
Fokus: Diskriminierung im Gesundheitswesen und in der Pflege
Das Gesundheitswesen ist einer der zentralen Bereiche, in denen Diskriminierung stattfindet. Laut SOEP-Bericht machen 20,3 % aller Personen mit Diskriminierungserfahrungen diese im Bereich Gesundheit und Pflege.
Betroffene berichten in diesem Kontext vor allem von:
- Respektlosem Verhalten durch medizinisches oder pflegerisches Personal.
- Ungleicher Behandlung oder der Verweigerung von Leistungen.
- Fehldiagnosen aufgrund stereotyper Zuschreibungen.
Als häufigste Gründe für Diskriminierung in der medizinischen Versorgung wurden im SOEP die (ethnische) Herkunft bzw. rassistische Gründe (27,6 %), Behinderung oder chronische Krankheiten (26,4 %) sowie das Geschlecht (18,7 %) und das Aussehen (18,2 %) genannt.
Gravierende Folgen für die Gesundheit
Diskriminierung ist eine „relevante soziale Determinante der Gesundheit“, so das RKI. Die Studien zeigen einen deutlichen statistischen Zusammenhang zwischen Diskriminierungserfahrungen und einem schlechteren Gesundheitszustand:
- Allgemeine Gesundheit: Menschen mit Diskriminierungserfahrungen schätzen ihren Gesundheitszustand laut SOEP fast doppelt so häufig als „weniger gut“ oder „schlecht“ ein (24,7 %) wie Menschen ohne solche Erfahrungen (14,0 %).
- Psychische Belastung: Betroffene leiden häufiger unter Angstgefühlen, Einsamkeit oder Traurigkeit – das Risiko hierfür ist etwa doppelt so hoch wie bei Nicht-Betroffenen. Das RKI weist zudem auf Assoziationen mit Depressionen und vermindertem Wohlbefinden hin.
- Körperliche Folgen: Diskriminierung steht im Zusammenhang mit erhöhtem Blutdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
- Versorgungsbarrieren: Diskriminierungserfahrungen führen zu einer verringerten Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen und können gesundheitsschädliches Verhalten (z. B. Substanzkonsum) fördern.
Handlungsbedarf: Gemeinsam gegen Diskriminierung
Aus den Daten des SOEP lässt sich lesen, dass trotz der schweren Belastungen die Mehrheit der Betroffenen (56,0 %) keine aktiven Schritte gegen die erfahrene Diskriminierung unternimmt. Nur ein kleiner Teil (12,8 %) nutzt institutionelle oder rechtliche Möglichkeiten.
Diese Daten verdeutlichen: Es ist essenziell, das Bewusstsein für Diskriminierung insbesondere bei leitenden Akteur*innen im Gesundheitswesen zu schärfen und gleichzeitig die Hilfestrukturen für Betroffene auszubauen. Der Abbau von Diskriminierung ist eine zentrale Voraussetzung für gesundheitliche Chancengerechtigkeit in Deutschland.
Quellen:
Antidiskriminierungsstelle des Bundes (SOEP-Sonderauswertung 2026)
Robert Koch-Institut (Journal of Health Monitoring 11/03 2026)


