
Hürdenlauf Gesundheitssystem: Wo es für Patient*innen hakt
Die Stiftung Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) hat ihren ersten „Impuls Patientenorientierung“ veröffentlicht. Der Bericht macht deutlich: Trotz eines hochwertigen Medizinsystems scheitern viele Menschen in Deutschland bereits am Zugang zur Versorgung. Oft sind Zugangshürden mit Diskriminierung verknüpft, zum Beispiel wenn Versorgungsprobleme durch Sprachbarrieren entstehen oder wenn Menschen mit eingeschränkter Mobilität Hausbesuche verweigert werden, obwohl Ärzt:innen dazu verpflichtet sind.
Zentral Ergebnisse des Berichts zeigen, dass Patient*innen häufig große Schwierigkeiten haben, zeitnah Termine bei Fachärzt*innen oder Psychotherapeut*innen zu erhalten. Die Folge sind nicht nur lange Wartezeiten, sondern auch die Verschlechterung des Gesundheitszustands oder das Ausweichen auf Notaufnahmen.
Gleichzeitig erweist sich das deutsche Gesundheitssystem für viele Patient*innen als schwer durschaubar. Formale Hürden, komplizierte Zuständigkeiten zwischen Krankenkassen und Leistungserbringern sowie bürokratische Prozesse bei der Beantragung von Leistungen stellen für viele Ratsuchende eine erhebliche Belastung dar.
Auch die Digitalisierung bringt ambivalente Effekte mit sich: Instrumente wie die elektronische Patient*innenakte oder das E-Rezept bieten zwar Chancen für eine bessere Versorgung, können aber zugleich neue Barrieren schaffen, insbesondere für ältere Menschen oder Personen mit Sprachbarrieren. Der Bericht betont daher, dass digitale Angebote die persönliche Beratung ergänzen, aber nicht ersetzen dürfen.
Ein zentraler Ansatzpunkt für Verbesserung ist die Befähigung und Stärkung der Patient*innen selbst. Nur wer Informationen versteht, einordnen und eigenen Rechte kennen kann, ist in der Lage, informierte und selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen.
Die UPD macht deutlich, dass Patient*innenorientierung strukturell verankert werden muss. Sie fordert die Politik auf, Zugangsbarrieren abzubauen und die Steuerung von Versorgungswegen zu verbessern. Der Bericht dient dabei als Seismograf: Grundlage sind die Erfahrungen aus tausenden Beratungsgesprächen, die konkrete Einblicke in die alltäglichen Herausforderungen von Patient*innen geben.
Die gesamte Publikation finden Sie auf der Website der Stiftung unabhängige Patientenberatung Deutschland.


